Inspiration

 

 

„Die Freude steckt nicht in den Dingen,

sondern im Innersten unserer Seele.“

Therese von Lisieux

 

 

Glücklichsein

 

Es gibt keine Pflicht des Lebens,

es gibt nur eine Pflicht des Glücklichseins.

Dazu allein sind wir auf der Welt,

und mit aller Pflicht

und aller Moral

und allen Geboten

macht man einander selten glücklich,

weil man sich selbst damit nicht glücklich macht.

Wenn der Mensch gut sein kann,

so kann er es nur,

wenn er glücklich ist,

wenn er Harmonie in sich hat,

also wenn er liebt.

Dies war die Lehre,

die einzige Lehre in der Welt;

dies sagte Jesus,

dies sagte Buddha,

dies sagte Hegel.

Für jeden ist das einzig Wichtige auf der Welt

sein eigenes Innerstes,

seine Seele,

seine Liebefähigkeit.

Ist die in Ordnung,

so mag man Hirse oder Kuchen essen,

Lumpen oder Juwelen tragen,

dann klang die Welt mit der Seele rein zusammen,

war gut,

war in Ordnung.

 

Hermann Hesse

(aus seinem Nachlass)

 

 

 

"Autobiographie in fünf Kapiteln"

1.

Ich gehe die Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein.

Ich bin verloren... Ich bin ohne Hoffnung.

Es ist nicht meine Schuld.

Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

 

2.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich tue so, als sähe ich es nicht.

Ich falle wieder hinein.

Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.

Aber es ist nicht meine Schuld.

Immer noch dauert es sehr lange herauszukommen.

 

3.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es.

Ich falle immer noch hinein... aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen.

Ich weiß, wo ich bin.

Es ist meine eigene Schuld.

Ich komme sofort heraus.

 

4.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich gehe darum herum.

 

5.

Ich gehe eine andere Straße.

aus: Sogyal Rinpoche

Das tibetische Buch vom

Leben und vom Sterben

(Verweis siehe dort)

 

 

 

Aus der Antrittsrede von Nelson Mandela

 

"Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht,
dass wir ungenügend sind.

Unsere tiefgreifendste Angst ist,
über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit,
das uns am meisten Angst macht.

Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant,
großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?

Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?
Du bist ein Kind Gottes.

Dich selbst klein zu halten,
dient nicht der Welt.

Es ist nichts Erleuchtendes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um Dich herum sich nicht unsicher fühlen.

Wir sind alle bestimmt, zu leuchten,
wie es die Kinder tun.

Wir sind geboren worden,
um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.

Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere."

 

 

VATER UNSER

(aramäisch)

 

 

Oh Du, atmendes Leben in allem,

Ursprung des schimmernden Klanges.

Du scheinst in uns und um uns,

selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern.

 

Hilf uns einen heiligen Atemzug zu atmen, bei dem wir

nur Dich fühlen - und Dein Klang in uns erklinge und reinige uns.

 

Lass Deinen Rat unser Leben regieren und unsere Absicht klären

für die gemeinsame Schöpfung.

 

Möge der brennende Wunsch Deines Herzens Himmel und Erde

vereinen durch unsere Harmonie.

 

Gewähre uns täglich, was wir an Brot und Einsicht brauchen:

das Notwendige für den Ruf des wachsenden Lebens.

 

Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, wie wir loslassen,

was uns bindet an die Schuld anderer.

 

Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen,

sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.

 

Aus Dir kommt der allwirksame Wille,

die lebendige Kraft zu handeln,

das Lied, das alles verschönert

und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.

 

Wahrhaftige Lebenskraft diesen Aussagen!

Mögen sie der Boden sein, aus dem alle meine Handlungen

erwachsen. Besiegelt im Vertrauen und Glauben.

 

Amen.

 

 

 

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,

Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,

meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen

war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,

daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur

zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten

Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:

"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du

mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten

meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am

meisten brauchte?"

Da antwortete er:

"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie

allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.

Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,

da habe ich dich getragen."

Originalfassung des Gedichts Footprints © 1964 Margaret Fishback Powers.

Deutsche Fassung des Gedichts Spuren im Sand © 1996 Brunnen Verlag, Gießen.